Moritz Gräper

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Welcome to Absurdistan

29. Jul 2013 | ...wenn ein Tag über dein komplettes Studium entscheidet...

Es ist soweit: Der Tag der mündlichen Prüfungen!

Ungefähr ein Jahr lang habe ich mich auf mein Examen vorbereitet. Die wissenschaftliche Hausarbeit, die Predigtarbeit und die Klausuren lagen hinter mir und der Tag der mündlichen Prüfungen kam näher. Noch acht Wochen, noch acht Tage, noch acht Stunden.

Normalerweise schlafe ich immer und überall gut (Bus, Kneipe, Zug, Zeltboden, Club). Acht Stunden vor Beginn der mündlichen Prüfungen wache ich auf, mir ist heiß, ich habe Durst und bin wach. Ich stell mich ans offene Fenster, gucke in die Nacht, stelle mir vor, wie ich in wenigen Stunden in Altona vor meinen Prüfern sitze. Nach 20 Minuten kann ich wieder einschlafen. 7:00 Uhr, mein Wecker klingelt, ich snooze nicht, gehe duschen, trinke mit meinem Kumpel und Leidensgenossen Gunnar einen Kaffee und wir machen uns zusammen auf zur Bushaltestelle. Es ist eigentlich zu warm, um ein Sakko zu tragen, aber was soll’s.

Der Einstieg: Andacht von Bischöfin Fehrs

9:00 Uhr, die Andacht der Bischöfin gefällt mir gut. Sie findet natürliche und authentische Worte über Jes 43. Fürchte dich nicht. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein. Genau aus diesem Kapitel werde ich gegen 16:00 Uhr in meiner letzten Prüfung übersetzen müssen…

Sechs mündliche Prüfungen

Nach der Andacht geht es ohne Pause in die erste Prüfung: Kirchengeschichte. Die Zeit geht fix um, es ist kein Abfragen, eher ein Gespräch, meine Aufgeregtheit wandelt sich in eine Art angespannte Konzentration und dann kommt auch schon der Hinweis an Prof. Steiger, dass die Zeit schon um ist. Wow, 1/6 ist geschafft. Es war ok. Eine kleine Erleichterung macht sich breit. Als 6/6 der Prüfungen hinter mir liegen, kann ich kaum glauben, dass es vorbei ist.

Grundsätzlich: "Es war o.k."

Klar, der eine Prüfungsstil lag mir besser als der andere, aber grundsätzlich war mein Gefühl: Es war ok. Eine große Erleichterung macht sich breit. Ich höre Joe Cockers „With a little help from my friends“ (die Woodstock-Aufnahme) ziemlich laut, danach ein wenig Macklemore und The Roots. Everything’s gonna be alright!

In meinen Vorstellungen während Kaffeepausen beim Lernen, als ich oft an diesen Tag gedacht hatte, waren die Prüfungen größer, aufregender. In echt entpuppen sie sich als Prüfungen, die zwar ziemlich anspruchsvoll sind und mich am Ende des Tages total ermattet, erleichtert und glücklich zurücklassen, von meinem Gefühl her alle als sehr fair und eine Chance, alles, was man über einen so langen Zeitraum gelernt hat auch loswerden zu können.

Aber irgendwie auch absurd

Der Tag der mündlichen Prüfungen ist einmalig: Emotional, anstrengend, herausfordernd. Und es bleibt absurd, dass sechs Prüfungen an einem Tag über den Erfolg oder Misserfolg des 12, 13 oder 14semestrigen Theologiestudiums entscheiden.
Ich bin gespannt, wie lange ich noch weiß, dass Theodor Mopsuestia der einflussreichste Theologe der antiochenischen Schule war oder Tertullian ab Beginn des 3. Jahrhunderts Montanist. Naja, aber wer wird mich auch je wieder danach fragen ;-)

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