Jan-Berend Klein

Jan-Berend Klein

Studienjahr in Rom

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Wie es nach Rom weiterging

22. Feb 2013 |

Kirche im Urlaub

Als ich Ende Juni aus Rom zurückkam mit vielen Eindrücken aus dem Bereich der Ökumene, verschnaufte ich erst einmal ein paar Tage. Danach arbeitete ich ein paar Wochen ehrenamtlich auf der Insel Pellworm beim Projekt „Kirche am Urlaubsort“ mit. Das ist ein Programm, in dem Abiturienten und Studierende in Dreierteams in die beliebtesten Urlaubsorte an Nord- und Ostseeküste gehen und vor Ort zahlreiche Aktivitäten für die Urlauberfamilien anbieten. Der Sinn dieses Projektes ist unter anderem, Kinder (und oft auch ihre Eltern) altersgerecht oder wie es oft heißt: niedrigschwellig, an Kirche und Glauben heranzuführen. Beim Basteln, Geländespielen, Lagerfeuern und der klassischen Gute-Nacht-Geschichte abends erleben sie ganz bodenständig und alltäglich Gemeinschaft, Geborgenheit und Sinn.

Zurück in Berlin

Im Oktober ging es dann zurück nach Berlin. Ich wollte noch einmal so viel wie möglich aufnehmen, was diese große Stadt zu bieten hat, besuchte auch an der Uni noch zahlreiche fachfremde Veranstaltungen. In der Theologie ging es für mich nun in Richtung Examen. Ich besuchte Repetitorien, bildete mit zwei Kommilitonen eine Lerngruppe und besuchte noch ein Seminar in Religionspädagogik, einem Bereich, der mir im Studium immer besonders am Herzen gelegen hat: Man kann dort die Weite der Theologie auf ein lebenspraktisches Ziel ausrichten und junge Menschen fördern. Zu dieser Zeit gab ich auch Nachhilfe in einem Förderprojekt an einer Hauptschule mit vielen Kindern mit Migrationshintergrund. Ich habe in diesem Bereich dann auch meine Examensarbeit geschrieben.

Heidelberg – eine typische Universitätsstadt

Da ich in Deutschland nie an einem anderen Ort als Berlin studiert hatte, wollte ich die letzte Chance nutzen, einmal eine typische Universitätsstadt kennenzulernen. Ich ging für ein Semester nach Heidelberg. Das warme Wetter und das enge Miteinander beeindruckten mich. Heidelberg hat ein durch und durch studentisches Profil. Das merkt man an den zahlreichen Kneipen, Cafés und vielen Veranstaltungen. Man trifft immer irgendwen irgendwo auf der Straße, in der Altstadt oder sonstwo.
An der Universität besuchte ich Veranstaltungen zum Islam und zum Arabischen Frühling sowie zur Geschichte des Nahostkonfliktes. Diese Veranstaltungen fanden in Zusammenarbeit mit der Hochschule für jüdische Studien statt, einer besonderen Einrichtung in Heidelberg. Ein Ausflug nach Tübingen führte mich in das gerade gegründete Institut für Islamische Theologie. Es war beeindruckend, mit den Studierenden dort zu sprechen, den Pioniergeist und das Engagement der Leute, die dort lernen und lehren, zu erleben. Ein Dozent änderte sofort sein Seminarprogramm ab, und es entwickelte sich ein spannendes Gespräch über das Christentum und seine Theologie. Es war toll zu sehen, wie lebendig, fröhlich und leidenschaftlich dort gestritten und diskutiert wurde.

Wieder in den Norden

Ende September ging es dann schließlich Richtung Norden, „nach Hause“ :), so empfand ich es. Ich wohne seitdem in einem Wohnheim in Kiel nahe der Uni, bin viel mit der Ordnung und Sortierung von Unterlagen, Scheinen und Dokumenten beschäftigt im Hinblick auf meine Anmeldung zum Examen. Ich mag die überschaubare, freundschaftliche und hilfsbereite Atmosphäre der Kieler Fakultät unheimlich gern, sie ist wirklich ein echter Geheimtipp. Ich bin in dieser Stadt und an dieser Uni sofort heimisch geworden. Als Ausgleich zum Lernen gehe ich in einem Wäldchen in der Nähe joggen.

Ich will Pastor werden ? – !

Jetzt, wo es stramm in Richtung Examen und Berufseinstieg geht, denke ich auch vermehrt über den Pfarrberuf nach. Ich frage mich, ob es der richtige Beruf ist, wie es wohl werden wird, warum ich mich für Theologie entschieden habe, welche anderen Möglichkeiten es noch gegeben hätte und gibt. Mal empfinde ich so, mal so. Ich habe aber in den letzten Monaten und Jahren sehr viel Zuspruch erfahren, oft aus Richtungen, aus denen ich nicht damit gerechnet habe, auch von Leuten, die der Kirche fern stehen. Die Begegnungen mit den verschiedensten Menschen und meine Erfahrungen an so vielen Orten in ganz unterschiedlichen Bereichen des Glaubens und Lebens sind das Wertvollste, das ich aus dem Studium mit in die Zukunft nehme.
Die Gründung der Nordkirche hat mich unheimlich mitgerissen und mir nochmal einen zusätzlichen Motivationsschub gegeben. Als ich auf dem Fest in Ratzeburg gesehen habe, wer alles bei uns aktiv ist, wie viel Engagement und Potential sich hinter einer so alten Institution wie der Kirche verbergen, war ich beeindruckt, obwohl ich ja selbst hier und dort mitgewirkt habe. Und als ich auf dem Ratzeburger Marktplatz über eine große, dort ausgebreitete Landkarte des Nordkirchengebiets stiefelte, wurde mir klar, dass große Aufgaben auf uns warten. Wir als Kirche werden gebraucht, das habe ich in letzter Zeit wieder besonders stark erfahren. Es geht also spannend weiter!

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