Patrick Nahnsen

"Letztendlich ist die große Kreuzung überschaubarer geworden. Ich glaube, ich habe meine Fahrspur gefunden."

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Ein Wegweiser an der Wegkreuzung

Patrick Nahnsen

An einer Wegkreuzung

Wir haben in unserem Leben schon oft an Kreuzungen gestanden und werden dies auch in Zukunft oft tun: An einigen haben wir Vorfahrt und können ohne abzubremsen, unseren Weg weiter verfolgen, an andere müssen wir uns langsam herantasten, wenn wir sie sicher überqueren wollen, an weiteren sind wir vielleicht sogar gezwungen, abzubiegen und eine ganz neue Richtung einzuschlagen.

Bisher habe ich noch nie an einer so großen Kreuzung gestanden wie dieser: Mehrspurig, verzwickt, blinkende Ampeln und hysterisch hupende Autofahrer überall. Wie soll man es schaffen, diese Kreuzung zu überblicken und zu durchdringen?


An einer Wegkreuzung


Zwischen Ende und Neuanfang

Meine Schulzeit neigt sich dem Ende zu und wirklich alles verändert sich. Freunde schlagen verschiedene Richtungen ein, Bewerbungen werden fleißig geschrieben und Unis erkundet. Menschen kommen und gehen, Ideen kommen und gehen. Was will ich, jetzt, wo ich gerade erst die sichere Garage verlassen hatte, eigentlich aus meinem Leben machen?

Aufbruchsstimmung kitzelt einen in den Fingern und regt zum Nachdenken an, gleichzeitig kann sie aber auch schnell in panische Endzeitstimmung umschwanken. Ganz klar, so ist das, wenn man den Blinker endgültig zu setzen hat. Und so schwankte auch ich zwischen Lust und Grauen hin und her.


Abzweigung Lehramt?

Eigentlich war ich mir immer ziemlich sicher, was ich werden möchte: Nach der Schule wird auf Lehramt studiert und dann geht es ab zurück in die Schule. Doch dann traf mich die Erkenntnis plötzlich wie ein Fahrradfahrer, der im falschen Moment einen Blick auf sein Smartphone warf: Ich wollte um nichts in der Welt wieder in die Schule zurück! Als Lehrer arbeiten war doch eigentlich unvorstellbar, schließlich gab es doch kaum jemanden, der einen leiden konnte.


„Werde doch Pastor!“ - ?

Und schon bald erinnerte ich mich nach langen ungewissen Wochen daran, was alle meine Freunde mir immer, mehr spaßhaft als im Ernst, auf die Nase binden wollten: Ich, der doch so viel in der Gemeinde und im Kirchenkreis macht, sollte Pastor werden. Pastor Patrick, das ergab sogar eine nette Alliteration, und plötzlich wurde mir der Gedanke, den ich sonst immer genervt abgewunken hatte, erstaunlich attraktiv: Arbeit mit vielen unterschiedlichen Menschen, Nachdenken über die ganz großen Fragen des Lebens, kreative Freiheiten, ein erfüllender und vor allem sinnvoller Beruf. Was konnte es schöneres geben?


Auf zum Wegweiserwochenende

Als ich mit ersten Menschen eher zaghaft als enthusiastisch darüber sprach, rollten Stürme der Begeisterung über mich. Meine Umwelt und ich waren uns einig: Das könnte das richtige sein. Doch ich wollte das genauer herausfinden, den letzten Rest Zweifel beseitigen. Und so kamen mir schon bald von vielen Leuten, denen ich von meinen Überlegungen erzählt hatte, Zettel und Mails entgegen, die alle dasselbe anpriesen: Das Wegweiserwochende der Nordkirche. Klang zumindest vielversprechend, und als mein Weg mich im Herbst nach Ratzeburg trug, wurde ich nicht enttäuscht. Die idyllische Domhalbinsel, in bunten herbstlichen Farben geschmückt sowie die Leiter und Teilnehmer des Seminars empfingen mich und meine Mitfahrer trotz massiver Verspätung mit offenen Armen.


Dom und Predigerseminar in Ratzeburg .. Idyllisch am See gelegen


Wer bin ich, wo stehe ich?

Die Themen des Wochenendes trafen sehr exakt das, womit ein Jugendlicher am Wendepunkt seines Lebens, wie ich, sich tatsächlich beschäftigt. Es ging zuerst um uns selbst, wer wir eigentlich sind, wer wir sein wollen, was wir fühlen, hoffen und fürchten. Genau das war es, womit wir uns alle beschäftigen wollten, wer wir sind und wer die anderen im Bezug dazu, und so wurde der Freitagabend zu einem intensiven ersten Tag.


Wie sieht das Theologiestudium eigentlich wirklich aus?

Ganz anders aber ebenso treffend setzten Samstag und Sonntag an: Kaum eine Frage ist drängender als die, wie das Studium der Theologie eigentlich wirklich aussieht. In einem groben Abriss aber trotzdem sehr detailreich wurden uns einzelne Fächer, der Ablauf des Studiums sowie mehrere Erfahrungsberichte von Studierenden und ehemalig Studierenden gezeigt. Es blieben nur wenige Wünsche offen.


Nach Hause mit Perspektive im Gepäck

Als am Sonntagmittag die Reifen meines Autos wieder über den Kies zurück gen Nordfriesland rollten, war mein Auto um einiges schwerer bepackt. Und das lag nicht nur an der weiteren Person, die ich nach Hause mitnahm, vielmehr war es vollgestopft mit Eindrücken und Erfahrungen: Ich hatte 20 überaus nette, spannende Menschen kennengelernt, die das gleiche Ziel verfolgten wie ich, mich mit ihnen viel ausgetauscht, neue Perspektiven gefunden und viel gelacht, musiziert und Spaß gehabt. Auch meine Erwartungen an das Studium hatten sich verändert, und zwar eindeutig zum Positiven, der Weg, den ich einschlagen wollte, schien mir nun weniger steinig und kurvig.

Letztendlich ist die große Kreuzung, von der ich am Anfang berichtete, nun überschaubarer geworden: Der Lärm verwirrt nicht mehr, das Blinken der Ampeln ist weniger grell und blendend als noch zuvor. Ich glaube, ich habe meine Fahrspur gefunden.


Perspektive Pastor?