Per Olsen

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Neues aus Münster

28. März 2016 |

Und? Wie läuft’s denn mit den Sprachen?

Immer, wenn man über das Theologiestudium spricht, kommt man häufig nicht um die Frage herum, wie es sich denn mit den Sprachen verhält.

Gerade im Grundstudium dreht sich bei den Studierenden Vieles um dieses Thema. Zu Recht, da Latinum, Graecum und Hebraicum nicht nur „Grundvoraussetzung“ für das Studium sind, sondern gerade in den Fächern Altes und Neues Testament für das wissenschaftliche Arbeiten mit der Bibel eine wichtige Rolle spielen.
Das Beherrschen von Fremdsprachen ist eine schöne und zumeist interessante Angelegenheit, das Erlernen hingegen eine arbeitsintensive und manchmal nervenaufreibende.
Um diese Aufgabe bewältigen zu können, braucht man Durchhaltevermögen, einen klaren Kopf und Kommilitonen, die einen aufmuntern, wenn man mal wieder an Platon, Vergil und den Masoreten verzweifelt.
Scheitern ist hier zwar nicht vorprogrammiert, doch wenn man mal stolpert, dann erweist man sich damit nicht gleich als untauglich für das Theologiestudium (geschweige denn für den Pfarrberuf).

Auch ich musste die Erfahrung machen, dass das Erlernen der Sprachen nicht immer auf Anhieb klappt und dass man dabei so manches Mal an seine Grenzen geht.
Während ich Latein schon aus der Schule mitbrachte, musste ich für Graecum und Hebraicum Umwege über Heidelberg und Neuendettelsau machen und meine Semesterferien für Intensivkurse opfern. Wie der Name Intensivkurs schon andeutet, gestalteten sich auch diese nicht weniger schwierig, doch am Ende standen zwei erfolgreich absolvierte Prüfungen. Nun bin ich sprachfrei (einige Dozenten bevorzugen den Begriff „sprachbegabt“;-) und kann mich voll und ganz auf das eigentliche Studium konzentrieren, denn dieses Studium hat noch vieles mehr zu bieten. Letzteres ist denke ich auch einer der Gründe, warum ich am Ball geblieben bin. Hätte ich nicht gewusst, wofür ich das alles mache, nämlich für ein interessantes und vielseitiges Studium und einen so schönen Beruf, dann hätte ich es wahrscheinlich nicht bis zum Ende durchgehalten.

„Sprachbegabt“ studieren, Bibellesen und Bibel lesen

Mit den Sprachen in der Tasche, beende ich schon bald mein drittes Semester. Es fühlt sich sehr gut an, jede Veranstaltung besuchen, die man will, ohne dass die Anmerkung „mit Griechisch/Hebräisch“ im Vorlesungsverzeichnis einen davon abhalten könnte.
Jedes Semester sieht anders aus, man kann sich seinen Stundenplan immer neu zusammenstellen, da es keine vorgefertigten Semesterpläne gibt. Gewisse Veranstaltungen muss man im Laufe seines Grundstudiums besuchen, aber wann man dies tut, entscheidet man selbst.
Zudem gibt es einen großen Wahlbereich, der einem in Münster (nach Absprache) sogar ermöglicht, sich Veranstaltungen aus anderen Fachbereichen anrechnen zu lassen, z.B. aus der katholischen Theologie, dem Islamischen Institut oder dem Fachbereich Philosophie.

Viel beschäftigt hat mich dieses Semester die Bibelkunde des Alten Testaments. Sie ist ein weiteres wichtiges „Werkzeug“ für das Studium und Teil der Zwischenprüfung. Man liest Woche für Woche die einzelnen Bücher der Bibel. Am Ende steht eine kurze Prüfung zu Inhalt, Gliederung und thematischen Zusammenhängen.
Zu lesen gibt es eine breite Spannweite von interessanten Berichten aus der Königszeit bis hin zu seitenlangen Gesetztestexten, die man vorher noch nie gelesen hatte. Ich habe schon vor dem Studium viel in der Bibel gelesen, doch das Lesen im Rahmen meines Studiums ist irgendwie nicht das gleiche Bibellesen.
Ich konzentriere mich viel mehr auf das Herausfiltern von Informationen, als auf den persönlichen Erkenntnisgewinn für mich und meinen Glauben. Es bleibt festzuhalten, dass das Theologiestudium meinen Glauben zwar unglaublich bereichern, aber eben mein Glaubensleben nicht vollständig ersetzen kann. Das ist aber auch so nicht vorgesehen.
Mit diesen neuen Erfahrungen im Gepäck freue ich mich schon sehr auf mein viertes Semester!

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