selbstbewusst, selbstgeklärt, anerkannt

Nils Christiansen

Ich bin Nils Christiansen – Jahrgang 1964, geboren und aufgewachsen in Flensburg, in einem Pfarrhaus, mit zwei älteren Brüdern.

mit dem Rad durch Leipzig Schon während der Schulzeit zeichneten sich einige meiner wichtigsten Interessen ab: Viel Theaterarbeit, Ballett und Ev. Jugendarbeit; Beschäftigung mit Literatur, Kunstgeschichte, bildender Kunst und Reisen waren mir wichtig. Nach der Schule habe ich Zivildienst geleistet, weil ich erstmal etwas Lebenspraktisches erfahren und nicht gleich an der Uni weiterlernen wollte.

In Göttingen studierte ich Ev. Theologie und Kunstgeschichte/Christliche Archäologie, bis zum 1. Examen; ab 1991 dann Ev. Theologie an der Universität Hamburg. Während des Studiums hab’ ich weiter Ballett gemacht, Gesangsunterricht genommen und mich überhaupt gern in anderen Studienfächern herumgetrieben, die mich interessierten.

Konvent schwuler und lesbischer TheologInnen in der NEK

Ich begann, mich gesellschafts- und kirchenpolitisch zu engagieren. Nach meinem Coming-out als schwuler Mann trat ich dem Konvent schwuler und lesbischer TheologInnen in der NEK in Hamburg bei. Heute bin ich, zusammen mit einer Kollegin, einer von zwei Sprechern des Konvents.

Pflegetätigkeit (zum Geldverdienen), Klinische Seelsorge-Ausbildung (KSA) und Mitarbeit als Assistent bei Prof. Dorothee Sölle waren in dieser Zeit wichtig für meine eigene Entwicklung und auch für die meines beruflichen Selbstverständnisses.

Aids-Arbeit

1991-1992 war ich Mitarbeiter des ersten ambulanten AIDS-Pflegevereins in Hamburg – wieder wollte ich nach dem Studium nicht sofort ins Vikariat gehen, sondern zwischendrin im außerkirchlichen Bereich Lebens- und Arbeitserfahrung sammeln. In dieser Zeit entwickelte und feierte ich zusammen mit anderen MitstreiterInnen die ersten jährlichen AIDS-Gottesdienste in Hamburger Hauptkirchen. Auch an der Konzeptentwicklung für ein erstes AIDS-Hospiz in Hamburg war ich beteiligt.

Taufe (Rogate-Kirche Hamburg-Meiendorf) Mein Vikariat war 1993-1995 im Predigerseminar der NEK Preetz und in Hamburg-Uhlenhorst. Während des Vikariats schrieb ich ein Konzept für eine hauptamtliche AIDS-Seelsorge-Pfarrstelle für Hamburg, das tatsächlich ebenso realisiert wurde wie ein Konzept für eine zweite AIDS-Seelsorge-Pfarrstelle, auf die ich dann nach meinem 2. Theologischen Examen 1995 berufen wurde.

Als Pfarrer in diversen Bereichen tätig

Seit 2001 bin ich auf meiner 2. Pfarrstelle in der Kirchengemeinde Meiendorf-Oldenfelde, am nordöstlichen Stadtrand Hamburgs. Meine Schwerpunkte hier sind Seelsorge, Gottesdienst-Entwicklung, zeitgemäße ev.-luth. Homiletik, theolog. Erwachsenenbildung, Gemeindeleitung/Personalführung, Gemeindefusion und Gemeinde-Konzeptentwicklung, Professionalisierung ortsgemeindl. Leitung und Verwaltung. Eine berufsbegleitende Weiterbildung zur Professionellen Führungskraft und natürlich theologische Fortbildung gehören in diese Zeit. Daneben bin ich Dozent für Theologie in der Ausbildung der KirchenmusikerInnen mit C-Prüfung und Mitglied im Geistlichen Netzwerk Nordkirche (Tätigkeit als geistlicher Begleiter).

Partnerschaft und Freizeit

Freundeskind zu Gast Seit 1992 lebe ich mit meinem jetzigen Mann zusammen, mit Michael Görg-Christiansen. 2001, als es endlich rechtlich ging, haben wir geheiratet (Eingetragene Lebenspartnerschaft), 2002 war unser Segnungsgottesdienst. Mein Mann und ich haben fünf gemeinsame Patenkinder, um die wir uns sehr bemühen.

In meiner Freizeit liebe ich es, als Mitglied der jungen kantorei st. georg zu singen. Mein Mann und ich reisen und wandern gerne. In der Stadt ist das Radfahren unser Hauptsport. Sehr gerne haben wir Gäste zum Essen und Feiern bei uns. Freundschaften und Familien versuchen wir zu pflegen. Kino und Theater, Literatur und Musik, Architektur und bildende Kunst sind nach wie vor meine Interessens-Steckenpferde - und es ist mir wichtig, das gesellschaftliche, politische Leben im Stadtteil zu verfolgen.


Schwule Männer, lesbische Frauen, Bisexuelle als Geistliche in der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche

Schwule Männer, lesbische Frauen, Bisexuelle als Geistliche in der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche: © by leg0fenris/flickr.com

Kann man als schwuler Mann, als lesbische Frau, als bisexuell lebender Mensch, als Transgender Pastor bzw. Pastorin der Nordkirche Kirche sein – und dabei offen und öffentlich leben, selbstbewusst, selbstgeklärt, anerkannt und frei als der Mensch, der/die man ist?

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