Diakon in Hamburg

Mark Möller, Diakon

Vom Jugendgruppenleiter zur Diakonenausbildung

In meiner Gemeinde war ich Jugendgruppenleiter. Das machte Spaß. Beim Zivildienst in der Mobilen Pflege kam ich dann eher ins Fragen nach Gott und erlebte überraschend ab und an die befreiende Wirkung von gemeinsamen Gebeten mit Menschen, die ich pflegte. Und ich war kein Beter.

Diese Erfahrung brachte mich nach Berlin an das WichernKolleg im Ev. Johannesstift zur Diakonenausbildung. Berlin- erste Großstadterfahrung und der Beginn meiner 6,5 Jahre Ausbildung.

Während der 2,5 Jahre Fachschulausbildung zum Diakon und zuvor bei den 4 Jahren Studium zum Dipl. Sozialarbeiter/ Sozialpädagoge begleitete mich die Arbeit mit Menschen, die auf der Straße leben.

Erste Arbeitsstelle auf der Straße

Kein Wunder also, dass ich dann auch beruflich dort landete. Zunächst in einem Kontakt- und Beratungscafé in Berlin-Weißensee der Stadtmission Berlin, wo ich u.a. mit alten, ehrenamtlichen Pastoren zu tun hatte, die noch aus der Bekennenden Kirche kamen. Trotzdem stand bald ein Wechsel an. Ich arbeitete dann in dem damals niedrigschwelligsten Wohnungslosenheim in Berlin bei einem Gewerbeunternehmen mit vielen sehr innovativen Ansätzen und spannenden Aufgabenfeldern. Mein Chef war von Ausbildung her Leutnant der Volkspolizei.

In unseren Methoden waren wir sehr, nunja… , unterschiedlich, und als ich dann noch anfing zu Berlinern, war die Zeit reif für einen neuen Wechsel, zurück in den Norden.

Einsatz zwischen Sozialarbeit und Kirchengemeinden

Im Hamburger Westen baute ich eine neue niedrigschwellige Suchthilfeeinrichtung für langzeitabhängige Menschen mit auf (LUKAS), die ich später leitete. Als Diakon bemühte ich mich um Kontakte zu den umliegenden Kirchengemeinden und brachte das Thema „Sucht und Sinn“ ein. Das war nicht immer im Sinne der zahlenden Gesundheitsbehörde. Aber hey, die Sinnfrage sollte ja auch den Hilfesuchenden möglich sein, nicht der Behörde.

Als Stipendiat im Pazifik

Nach sehr intensiven 5 Jahren nahm ich ein Jahr Auszeit, um für ein Jahr als Stipendiat in den Pazifik zu gehen, und dort mit der Lutherischen Kirche zu arbeiten.

Zurück führte mich mein beruflicher Weg noch einmal kurz nach Berlin in das Restaurant für wohnungslose Menschen. An dieser Stelle lernte ich für mich, meine Scheu abzulegen, religiöse Themen zum Gespräch anzubieten, dabei aber sensibel dafür zu bleiben, wenn das jemand nicht möchte.

Hoffnungsorte Hamburg

das kirchencafé - hoffnungsorte hamburg

2007 führte mich der Weg dann zurück nach Hamburg, wo ich Gemeinwesenarbeit, Advocacy-Arbeit, Begegnungsarbeit und Projektarbeit machen konnte.

das kirchen café Träger: "hoffnungsorte hamburg" (Verein Stadtmission Hamburg) mit dem Kirchenkreis. Vielseitig, herausfordernd und immer zwischen kirchlicher und nichtkirchlicher Lebenswelt angesiedelt, habe ich viel hinzulernen dürfen und tolle Menschen kennenlernen dürfen.

Neue Ufer in Sicht: Es geht nach London

Jetzt geht’s in Kürze, mit 45, auf zu neuen Ufern: als Seemannsdiakon nach London. Davon kann ich am besten in ein paar Monaten mehr berichten.

Macht das Sinn: Diakon/Diakonin zu werden?

Ob ich diese Berufswahl noch einmal so treffen würde? Ja, unbedingt. Kann ich es empfehlen, Diakon/ Diakonin zu werden? Wenn man nicht an Geld, sondern an Sinnfragen interessiert ist, wenn man mehr am Menschen, denn an Prinzipien interessiert ist, wenn man gerne mit Menschen zu tun hat und von ihnen lernen möchte und kann. Wenn man als Christ herausgefordert sein will: Dann gibt’s aus meiner Sicht nichts Besseres!