Hauptkirche St. Michaelis zu Hamburg

Hauptpastor A. Röder


Mein Wegführer zum Theologiestudium

Manchmal braucht es einen Wegführer, um zur richtigen Entscheidung zu gelangen. Mein Wegführer war ein Klassenkamerad, den ich kurz vor dem Abitur fragte, was er studieren wollte. „Theologie“, sagte er – ohne auch nur einen Moment zu zögern. Das war ein öffentliches Bekenntnis und 1980 alles andere als selbstverständlich. Ich begann, mich mit Theologie zu befassen, und war bald entschlossen: Das ist mein Fach. Was mir aber ebenso wichtig war und immer wichtiger wurde: Die Praxis der gelebten, der verkündigten und gefeierten Theologie. Ich suchte mir schon im ersten Semester eine Gemeinde für ein vierwöchiges Praktikum. Das Praktikum sollte sechs Jahre dauern und mir neben dem wissenschaftlichen Studium an der Universität die Freude am Glauben und Liebe zu Verkündigung und Liturgie schenken. Das war prägend und ist es bis heute.

Lukasaltar in St. Jacobi (Foto: Hagen Wehrend)

Meine erste Pfarrstelle

Meine erste Pfarrstelle – damals auf fünf Jahre befristet und zudem drei Jahre lang mit einem Solidaritätsabzug vom Anfangsgehalt von immerhin 25% versehen – führte mich an die Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg. „Sonderpfarramt für die pädagogische und missionarische Erschließung der Kunstwerke der Hamburger Hauptkirchen“ – ein Wortungetüm zur Beschreibung einer grandiosen Berufung: Über christliche Kunst kirchentreue und kirchendistanzierte Menschen auf ihren Glauben ansprechen, Bilder erzählen lassen und Menschen dazu bringen, von sich zu erzählen, von ihrem Glauben und ihren Zweifeln. Aus den fünf wurden am Ende fünfzehn Jahre und eine große Personalgemeinde.

Im Ornat© F.C. Gundlach

Hauptpastor von St. Michaelis in Hamburg

Nach neun Monaten im Kirchenamt der Nordelbischen Kirche in Kiel, wo ich im Theologischen Dezernat für Gottesdienst und Kirchenmusik verantwortlich war, wurde ich von der Synode des Kirchenkreises Alt-Hamburg als Hauptpastor für den Hamburger Michel gewählt: Wahrzeichen, Öffentlichkeit, Leuchtturm - und was der Attribute mehr sind.

Gottesdienste als Mitte des pastoralen Lebens und Arbeitens

Am wichtigsten sind mir die Gottesdienste. Sie sind heiliges Spiel im vorgegebenen Raum; sie brauchen eine gute Inszenierung und viele aktiv Beteiligte. Sie sind die Mitte meines pastoralen Lebens und Arbeitens. Und sie sind für mich auch nicht das Ergebnis von Theologie, das am Ende meines Studiums auch noch kommt, sondern sie sind deren Ursprung. Theologie muss sich nicht nur messen lassen an dem, was sie über Gott lehrt, sondern auch daran, wie sie Gott lebendig und nah verkündet. Das bleibt eine Lebensaufgabe für mich. Sie hat im Studium begonnen und ist längst noch nicht abgeschlossen. Aber sie ist immer noch spannend und bereichernd.