Gottesdienst - der Ort, an dem alles anders ist

Tobias Woydack

Pastorenkind! Ach so, darum also! Groß geworden in einem dörflichen Pfarrhaus in Westfalen, viele Menschen, die immer ein und aus gingen – was hätte ich auch sonst werden sollen! Dabei war ich immer auf der Suche, ob ich nicht vielleicht doch noch was Besseres finde. Hab ich aber nicht - kein anderes Studium schien mir wirklich interessanter. Aber das reichte noch nicht.

Zivi in der Psychiatrie

Nach dem Abi habe ich meinen Zivildienst in einem Psychiatrischen Krankenhaus gemacht. Ich fing an, hin und wieder die Gottesdienste in diesem evangelischen Krankenhaus zu besuchen. Und erst da begann ich, die eigentliche Dimension, die Gottesdienste haben können, zu begreifen: Die Patienten im Krankenhaus mussten immer alles möglichst "richtig" machen. Um weniger Medikamente nehmen zu müssen, schneller entlassen zu werden, oder einfach nur Ausgang zu bekommen. In Gesprächen mit Therapeuten, Ärzten und Pflegepersonal ging es eigentlich immer nur darum, ob der Eindruck, den die Patienten von sich hatten, mit dem zusammenging, den die Mitarbeiter von den Patienten hatten. Der Gottesdienst war tatsächlich der einzige Ort, an dem die Patienten so sein konnten, wie sie waren. Ohne Rücksicht nehmen zu müssen, ohne vielleicht Gesundungserfolge zu gefährden – sie waren einfach so willkommen, mit allen Fehlern und Macken, Defiziten und Misserfolgen. Es brauchte diesen Moment für mich, um zu begreifen, dass es darum im Gottesdienst und im Glauben eigentlich geht. Und wie wichtig das ist, und dass es das sonst – zumindest in dieser Form – nirgendwo gibt.

Es war praktisch, in der Tradition groß geworden zu sein – aber erst in der Psychiatrie hat sie sich mit Leben gefüllt. Und erst dann konnte ich sagen: Ich will das auch machen.

Während des Studiums habe ich bis kurz vor dem Examen weiter in diesem Krankenhaus gearbeitet. Morgens eine Vorlesung zur Christologie – abends zur Nachtwache in die geschlossene Notaufnahme. Diese Spannung habe ich geliebt und gebraucht. Davon, wie ich studieren und lernen durfte, zehre ich bis heute.

Arbeit im sozialen Brennpunkt

Ich arbeite im sozialen Brennpunkt, und ich arbeite gerne hier. Denn auch hier hat man es zu tun mit unerfüllten Sehnsüchten, enttäuschten Hoffnungen, kleinen Momenten des gelingenden Glücks. Der soziale Brennpunkt ist auch ein Spiegel unserer "verrückten" Welt. Und auch hier sind die Gottesdienste ein Ort, der anders ist als alle anderen. Wo man sich des Angenommen-Seins von Gott vergewissern kann, wo man die Nähe einer solidarischen Gemeinschaft erfahren kann, wo man gemeinsam neuen Mut schöpfen kann.

Ich bin sehr froh, dass ich nichts „Besseres“ gefunden habe …


„Segen im Fluss“ - Tauffest an der Elbe

„Segen im Fluss“ - Tauffest an der Elbe: Tauffest am Falkensteiner Strand

Wir hätten vielleicht die Anzahl begrenzen können, aber was für eine Botschaft wäre das gewesen: Es sind leider zu viele, die sich taufen lassen wollen! Also haben wir gesagt, wir ziehen das durch. Wir müssen halt einfach ein bisschen mehr und größer organisieren.

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Tauffest an der Elbe

Tauffest an der Elbe

Bericht auf RTL-Nord

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