FAQs zum PastorInnenberuf

Privatleben und Beruf

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Hier beschreiben wir die Arbeitsfelder, die zu den Kernaufgaben der Pastoren/innen gehören:

Gottesdienste gestalten und feiern

Zu den traditionellen Aufgaben eines Pastors oder einer Pastorin gehört der sonntägliche Gottesdienst. Er/sie gestaltet ihn als Feier der Gemeinde, und zwar in Zusammenarbeit mit dem/der Kirchenmusiker/in und oft vielen anderen Freiwilligen.

Neben diesen sonntäglichen Gottesdiensten gibt es noch viele weitere Formen von Gottesdiensten oder Andachten (z.B. Trauungen, Beerdigungen, Schulanfängergottesdienste). In jedem Gottesdienst geht es darum, den Ablauf (Liturgie) und die Predigt sorgfältig vorzubereiten und durchzuführen. Dabei ist es wichtig, für die jeweilige Situation und die Menschen, um die es geht, aufmerksam zu sein. In der Predigt bringt die Pastorin die Bibel ins Gespräch. Durch die Auslegungen der Bibeltexte können Menschen getröstet, ermutigt, aber auch angefragt und angestachelt werden. Die Bibel ist ein Buch, an dem man sich reiben kann, als Einzelner und in der Gesellschaft.

Vielen Pastoren machen diese Gottesdienste besonders Freude, weil man dabei regelmäßig direkte Rückmeldungen und ganz intensive Kontakte zu den beteiligten Personen bekommt.
Bei ihrer Arbeit erfahren Pastorinnen, welch ein großes Vertrauen Menschen ihrem Amt entgegenbringen.

Vielleicht fragen Sie sich: „Wer bin ich, dass ausgerechnet ich von der Kanzel den Menschen etwas zu verkünden habe?“ oder „Wie kann ich diesem Vertrauen der Menschen gerecht werden?“ Viele Pastoren/innen haben erfahren, dass man in dieses Amt hineinwächst. Die Persönlichkeit ist zwar wichtig, aber das Amt eines Pastors trägt und schützt einen auch.

Seelsorgerliche Gespräche führen

Pastoren begegnen einem großen Vertrauensvorschuss in der Seelsorge. In ganz unterschiedlichen Situationen wenden Menschen sich an sie. Oft geschieht dies aus Anlass von sogenannten „Kasualien“: Taufe, Trauung oder Beerdigung. Sie sind immer – ob freudig oder traurig – ein Einschnitt im eigenen Leben. Aber auch ganz persönliche Probleme, kleine oder große Fragen, führen Menschen zu ihrem Pastor.

Für die Seelsorge braucht man sowohl psychologische Kenntnisse wie auch Fähigkeiten in Gesprächsführung. Die Ausbildung hierfür gibt es auf theoretischer Basis im Studium (Fach Praktische Theologie) und vor allem im Vikariat, der praktischen Ausbildung nach dem Studium.

Die Stimme erheben im Dialog

Die Kirche als Ganze wie auch die Gemeinde vor Ort ist ein lebendiger Teil der Gesellschaft. Ein Pastor hat die Chance, aber auch die Verantwortung, in Dialog zu treten.
Es gibt zahlreiche Formen des Dialogs. Dazu gehören:

  • Der ökumenische Dialog: Gespräche mit Vertretern anderer Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften fördern das gegenseitige Verständnis und helfen, Hürden abzubauen.
  • Der interreligiöse Dialog: Neben dem christlich-jüdischen Dialog gewinnt der christlich-muslimische Dialog und der sogenannte „Trialog“, das ist das Gespräch zwischen Juden, Christen und Muslimen, zunehmend an Bedeutung. Wenn Menschen Vertretern anderer Glaubensgemeinschaften begegnen und lernen, was „die anderen“ glauben, wachsen das gegenseitige Verständnis und der Respekt voreinander.
  • Gesellschaftspolitische Diskussionen: Diese sind wichtig auf allen Ebenen. Von Entscheidungen in einer Kommune, die Auswirkungen auf das Leben in einem Ort haben, über Umweltfragen bis hin zu den Herausforderungen im Umgang mit Menschen, die anders leben – alles fragt die kompetente kirchliche Einmischung.
  • Kulturelle Stimmen: Die Kirche ist selbst Kulturträgerin. Die Kooperation mit kulturellen Einrichtungen ist eine Chance, die existenziellen Fragen und Anfragen des Glaubens ins Gespräch zu bringen.

Solche Gespräche fördern nicht nur die Einsichten in die Glaubenswelt anderer, es fordert auch von den Christen selbst eine Sprachfähigkeit: Sie lernen zu erzählen, was, wie und warum sie glauben. In diesen Dialogen kommt der Theologin eine besondere Rolle zu. Dabei kann Dialog viel mehr sein als der bloße Austausch von Gesprächsbeiträgen. Auch im gemeinsamen Vollzug von Ritualen oder Feiern eröffnen sich neue Perspektiven aufeinander.

Sich in das gesellschaftliche Leben einmischen

Die Kirche steht mitten im gesellschaftlichen Leben. Auch Pastoren/innen mischen sich darum in öffentliche Debatten ein. Sie erinnern aktiv an den biblischen – und sehr politischen – Appell zu Recht und Gerechtigkeit in unserer Welt.

Der soziale Auftrag der Kirche drückt sich in der Diakonie aus. Für Menschen in Notlagen gibt es ein umfassendes Hilfsangebot. Pastorinnen und Pastoren wirken an vielen
Stellen mit: in Bildungszentren, Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising, in der Leitung von z.B. Beratungsstellen, Krankenhäusern oder Stiftungen. Ihre geistliche Arbeit ist mit den
Aufgaben des Non-Profit-Managements verbunden.

Wissen und Glauben fördern

Konfirmandenunterricht ist nicht das Gleiche wie Religionsunterricht. In der Schule steht das Wissen über den christlichen Glauben und andere Religionen im Vordergrund. Im Konfirmandenunterricht geht es darum, Jugendlichen einen Raum zu bieten, Glauben praktisch zu erfahren, zu üben, zu hinterfragen und zu durchdenken. Diese Konfirmandenarbeit machen die Pastoren oft in Zusammenarbeit mit Diakonen oder Gemeindepädagogen. Für den Konfirmandenunterricht gibt es sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten.
Auch für Erwachsene bieten viele Pastorinnen Veranstaltungen an, bei denen theologische und existenzielle Fragen zur Sprache kommen.
Ziel ist es, Orientierungshilfen und Anregungen für das eigene Leben zu geben. Hier sind nicht nur theologische Kenntnisse der Pastoren gefragt, es braucht auch pädagogisch-didaktische Kompetenzen und Einfühlungsvermögen.

Leitung mitgestalten

Die Leitung der Gemeinde mit all ihren Haupt- und Ehrenamtlichen liegt in den Händen der Kirchengemeinderäte. Zu denen gehören auch die Pastorinnen und Pastoren. In vielen Gemeinden ist der Pastor zudem verantwortlich für die Hauptamtlichen (z.B. Gemeindesekretär/in; Kita-Mitarbeiter/innen). Über die eigene Gemeinde hinaus engagieren sich viele Pastorinnen in gesamtkirchlichen Gremien (z.B. Synode; Ausschuss zur Jugendarbeit).

Besondere Aufgaben übernehmen

Pastoren arbeiten nicht nur in einer Ortsgemeinde, sie können sich auf zahlreiche besondere Funktionen und Aufgaben spezialisieren: z.B. Seelsorge in Krankenhaus oder Gefängnis, Religionsunterricht in Schulen, unterschiedliche Funktionen in der Diakonie (z.B. Flüchtlingsarbeit) oder in kirchlichen Arbeitsfeldern (z.B. Aus- und Fortbildung, Jugendarbeit, Pilgerarbeit).

Welche Begabungen und Kompetenzen braucht man?

Was muss man können?

Der Pastorenberuf ist sehr vielseitig. Entsprechend vielfältig sind die Kompetenzen, die für das Pfarramt nötig bis nützlich sind. (In der Kirche redet man mit Augenzwinkern auch von der „Eier legenden Woll-Milch-Sau“, um alle Erwartungen an eine Pastorin / einen Pastoren zu umschreiben. Aber natürlich gibt es diese „Tierart“ nicht.)

Wichtig sind auf jeden Fall kommunikative Kompetenzen. Es geht darum, Menschen jeden Alters und jeder sozialen Herkunft ansprechen zu können. Dafür muss sich ein Pastor in andere Menschen einfühlen und die Perspektive eines Gegenübers einnehmen können.

Nötig ist zudem die Reflexionsfähigkeit. Diese bezieht sich auf die eigene Rolle, die kirchlichen Aufgaben und Strukturen sowie die theologischen Aspekte der kirchlichen Arbeit. Gute Reflexion hilft bei der Predigt, bei wichtigen Entscheidungen und im persönlichen Umgang mit Einzelnen.

Die Kirche braucht Pastorinnen und Pastoren, die teamfähig sind und Freude daran haben, mit unterschiedlichen anderen Menschen zusammenarbeiten.

Kann ich das?

Wer Theologie auf Pfarramt studiert, wird sich fragen, ob er oder sie all die Kompetenzen für diesen Beruf erwerben kann. Nahezu alle Pastoren/innen kennen diese Zweifel. Gerade Zweifel können einem Anstöße zur eigenen Entwicklung geben. Auf jeden Fall vermeiden sie, dass man unrealistisch „abhebt“ oder blauäugig in die Gemeinde geht.
Wenn Sie sich nun fragen, ob der Pastorenberuf der richtige für Sie ist, empfehlen wir Ihnen, vertraute Personen um Rat zu fragen; am besten auch eine Pastorin oder einen Pastor. Das gleiche gilt natürlich für Lehrer/innen, wenn man überlegt, auf Lehramt Theologie zu studieren.

Bei einem Gemeindepraktikum kann man selbst Erfahrungen sammeln und diese mit einem Mentor reflektieren.

Wie erfahre ich mehr?

Wir bieten regelmäßig Infowochenenden in Ratzeburg an, bei denen Sie viel über das Theologiestudium und die Berufsfelder in Kirche und Schule erfahren. Hier können Sie sich selbst mehr Klarheit über die Frage verschaffen: „Ist dies ein Studium, ein Beruf für mich?“

Ist Pastor ein Männerberuf?

Die Zeiten, in denen Pastoren nur männlich waren, sind vorbei. Besonders aufgeregte Zeitgenossen befürchten sogar schon, dass nun die Frauen den Männern in der Kirche den Rang ablaufen. Unsere Einschätzung ist, dass der Pfarrberuf sehr gewonnen hat, seitdem auch Pastorinnen ganz selbstverständlich die Geschicke der Gemeinden, Kirchenkreise und der ganzen Kirche mit bestimmen. Erzählungen, dass Pastorinnen von Gemeindegliedern pauschal wegen ihrer Geschlechtszugehörigkeit abgelehnt wurden, gehören der Vergangenheit an. Auch in den Leitungsämtern bis hin zum höchsten Leitungsamt der Bischöfin sind Frauen inzwischen repräsentiert.

Was hat sich geändert, seit es die Nordkirche gibt?

Die Gründung einer neuen Kirche zu Pfingsten 2012 war ein großes Ereignis für die Christinnen und Christen im Norden. Die Nordelbische Kirche (NEK), die Mecklenburgische Kirche (ELLM) und die Pommersche Kirche (PEK) habeen sich zur „Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland“ zusammengeschlossen. Drei Kirchen mit unterschiedlichen geschichtlichen Wurzeln gehen in einer einzigen Kirche auf. Dazu war und ist auch weiterhin sehr viel Kompromissbereitschaft nötig; der Zusammenschluss birgt aber auch eine einzigartige Chance. Die 54-jährige Trennung der Ost- von den West-Landeskirchen und umgekehrt hat zu eigenständigen Entwicklungen geführt, die kostbare Erfahrungen und Erinnerungen bergen, die für die Gegenwart zukunftsweisend werden können.
Der Prozess der Angleichung der drei ehemaligen Landeskirchen, wird noch einige Jahre und vielleicht Jahrzehnte dauern. Bei der Angleichung der Gehälter geht es schneller. Einige Bezeichnungen lauten von Beginn an anders, weil sie in der Verfassung einen neuen Namen bekommen haben, so z.B. die „Kirchgemeinderäte“, die in Nordelbien vorher Kirchenvorstände hießen.

Und was sagen die Theologiestudierenden der früher eigenständigen drei Landeskirchen? Auf der Vollversammlung 2011 haben sie sich zusammengeschlossen und zum Ausdruck gebracht, was sie von der Nordkirche erwarten.

Hier ist der Entwurf der Verfassung der Nordkirche. Und so groß wird das Gebiet der Nordkirche sein.
Am Pfingstsonntag 2012 wurde auf der Domhalbinsel in Ratzeburg die Nordkirche feierlich eröffnet und die Alt-Stadt von Ratzeburg, die mitten im See liegt, war eine einzige Festmeile. In einem Video-Blog freut sich Bischof Ulrich über die Zustimmung zur Nordkirche und berichtet über die Chancen einer gemeinsamen "Ost-West-Kirche".

Ist man als Pastor/in immer im Dienst?

Die Aufgaben von PastorInnen sind interessant und breit gefächert. Pastorinnen und Pastoren sind in ihrer Zeiteinteilung relativ frei und organisieren sich ihre Arbeit weitgehend eigenständig. All das kann dazu verführen, ganz im Beruf aufzugehen und die Pflege der Privatsphäre zu vernachlässigen. Doch wer dieser Versuchung nachgibt, tut damit weder der Gemeinde noch sich selbst einen Gefallen.

Pastorinnen und Pastoren haben nicht nur ein Recht auf Privatsphäre – auch im Pfarrhaus -, sondern geradezu die Verpflichtung für sich selbst zu sorgen. Wenn man das Pastorat mit seiner Familie bewohnt, ist man es auch seinem Partner und seinen Kindern schuldig, sich vor der unbegrenzten Inanspruchnahme durch die Gemeinde zu schützen und sich gut abzugrenzen. Die Erfahrungen zeigen, dass das möglich ist. Falls die Amtsperson damit Schwierigkeiten hat, bietet es sich an, sich Unterstützung bei einer Supervisorin oder einem Supervisor zu holen .

Das Leben in einer Dienstwohnung, dem Pastorat neben Kirche und Gemeindehaus, verdeutlicht die Spannung, in der Pastorinnen und Pastoren stehen. Einerseits schränkt das öffentliche Amt die Wahlmöglichkeiten bei der Wohnungssuche ein, für Pastoren gilt die sogenannte „Residenzpflicht“; andererseits wird gerade von jungen Familien die Verpflichtung zum Bewohnen des Pastorats am Ende doch begrüßt, weil es viel Platz und meist auch einen großen Garten bietet - das Ganze in zentraler Lage und bei niedriger Miete. Dies Beispiel ließe sich auch auf andere Besonderheiten dieses Berufes beziehen, das zeigt, wie sich innerhalb vorgegebener Begrenzungen die persönlichen Bedürfnisse und die Anforderungen des Berufs in eine Balance bringen lassen.

Wenn Pastorinnen oder Pastoren in eine Lebenskrise geraten oder einen Schicksalsschlag bewältigen müssen, kann es schwierig werden, anderen Menschen mit der erforderlichen Aufmerksamkeit und Zuwendung zu begegnen. Dann benötigt die Seelsorgerin oder der Seelsorger selber Hilfe! Pastoren stehen dazu mehrere Wege offen.
Sie können zum Beispiel eine Kollegin oder einen Kollegen um ein beratendes Gespräch bitten oder sie können professionelle Hilfe und Beratung in Anspruch nehmen. Dazu gibt es ein Netzwerk von Menschen mit besonderer Ausbildung (Supervisoren). Und schließlich können PastorInnen auch geistliche Berater aufsuchen oder in einer geistlichen Gemeinschaft eine Retraite (Einkehrtage) besuchen, z.B. in einem evangelischen Kloster.

Wieviel verdienen Pastorinnen?

Das Gehalt der Pastorinnen und Pastoren orientiert sich an der Vergütung für Gymnasiallehrkräfte. Pastorinnen und Pastoren werden eingruppiert in die „Besoldungsgruppen“ A13 und A14.

Hat man als Pastor Aufstiegschancen?

Der Pastorenberuf ist kein Karriereberuf im herkömmlichen Sinn. Wer Karriere im Sinne eines interessanten Berufsweges anstrebt und nicht auf den Aufstieg auf der „Karriereleiter“, dem hat dieser Beruf durchaus einiges zu bieten.

Es gibt eine Fülle von unterschiedlichen Kirchgemeinden, mit den unterschiedlichsten theologischen und pastoralen Herausforderungen und darüber hinaus noch eine große Vielfalt anderer übergemeindlicher Aufgabenfelder in der Kirche. Der Pfarrberuf bietet die Aussicht auf einen spannenden Weg des lebenslangen Lernens und Sich-weiter-Entwickelns.