Inhalte des Studiums

Die Handreichung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD-Texte 28) über das Theologiestudium bietet einen breiten Überblick über das Studium der Theologie und die fachlichen Schwerpunkte der wichtigsten theologischen Fakultäten in Deutschland (Stand 2008).
Fachlich gliedert sich das Studium in sechs grundlegende Fächer.

Altes Testament

Im Mittelpunkt steht die Auslegung ausgewählter Schriften (z. B. Genesis aus dem Pentateuch, Jesaja aus den Prophetenbüchern, Psalmen aus den übrigen Schriften). Außerdem werden die Entstehungsverhältnisse zusammenhängend dargestellt (sogenannte "Einleitungsfragen") und die Theologie des Alten Testaments sowie die Geschichte Israels behandelt. Zum Studium des Alten Testaments ist Hebräisch nötig.

Unentbehrliche Hilfswissenschaft ist die Biblische Archäologie, die die Religions- und Kulturgeschichte des Alten Orients mitberücksichtigt.

Neues Testament

Die Auslegung der einzelnen Schriften (Evangelien und Apostelgeschichte, Paulusbriefe, sonstige Briefe und Schriften) steht hier im Mittelpunkt. Die Einleitungsfragen, die Theologie des Neuen Testaments und die Geschichte des Urchristentums werden im Zusammenhang behandelt. Um die Texte im Original lesen und übersetzen zu können, ist Griechisch erforderlich.
Grundlegend ist die Kenntnis der hellenistisch-römischen Umwelt und des antiken Judentums. Ein Feld für Spezialisten ist die Erforschung der neutestamentlichen Textgeschichte.

Kirchengeschichte

Beim Studium der Kirchengeschichte ist zwischen der Geschichte der Kirche als Institution und der Erforschung des Christentums in allen seinen historischen Erscheinungsformen einerseits und der Entwicklung der Theologie (Dogmen- oder Theologiegeschichte) andererseits zu unterscheiden. Es wird im Allgemeinen in folgende Epochen unterteilt: Alte Kirche, Mittelalter, Reformation und Gegenreformation, neuere und neueste Kirchengeschichte (18./19. bzw. 20. Jahrhundert). Für das Quellenstudium ist Latein erforderlich.

Zu Alter Kirche und Mittelalter gehört Christliche Archäologie, in der auch die Geschichte der christlichen Kunst mitbehandelt wird, zu neuester Kirchengeschichte die kirchliche Zeitgeschichte.

Systematische Theologie

Die Systematische Theologie setzt die Arbeit der Biblischen Fächer und der Kirchengeschichte voraus. Sie besteht aus zwei Teildisziplinen: Dogmatik und Ethik.
In der Dogmatik werden die Inhalte des christlichen Glaubens behandelt. Dazu gehören: Gott, die Schöpfung, der Mensch und seine Sünde, Gottes Gnade in Jesus Christus, das Wirken des Heiligen Geistes, die Kirche und das ewige Leben. Die "dogmatische Prinzipienlehre" (oder "Fundamentaltheologie") setzt sich besonders mit der Philosophie und dem Verhältnis von Glaube und Wissen auseinander.

In der Ethik geht es um die grundlegende Klärung des Verhältnisses von Glaube und Handeln und um die christliche Lebensgestaltung im Blick auf Mitmensch, Gesellschaft und Natur.

Praktische Theologie

Die Praktische Theologie befasst sich mit den Handlungsfeldern des kirchlichen Amtes, hauptsächlich mit Predigt und Gottesdienst (Homiletik und Liturgik), Unterricht (Katechetik/Religionspädagogik), Seelsorge (Poimenik), Amtshandlungen und Amtsführung (Pastoraltheologie). Darüber hinaus werden Kirchenorganisation und Kirchenleitung (sog. Kybernetik) sowie alle Bereiche kirchlichen Handelns wissenschaftlich reflektiert.

Weitere Fächer

Neben den theologischen Hauptfächern werden verschiedene Spezialgebiete gelehrt: Diakoniewissenschaft, Kirchensoziologie, Pastoralpsychologie, Publizistik, Kirchenmusik, Kirchenbau und kirchliche Kunst, Hermeneutik, Judaistik, Kirchenordnung.
Einige theologische Fächer behandeln fächerübergreifende Fragen und werden deshalb den fünf klassischen Disziplinen verschieden zugeordnet. So besonders die Bereiche Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie sowie Ökumenische Theologie.